Eine Wahl für die Zukunft

Die richtige Schule für Ihr gehörloses oder schwerhöriges Kind auszuwählen, ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Familie treffen kann. Dabei geht es darum, verschiedene Optionen zu prüfen, klare Informationen zu erhalten und sich eine Zukunft vorzustellen, in der Ihr Kind nicht nur lernt, sondern wirklich erfolgreich ist. Unter all diesen Möglichkeiten sticht eine Schule hervor, weil sie fest an eine bestimmte, erprobte Lehrmethode glaubt.
Was Lexington besonders macht
Die größte Stärke der Lexington School for the Deaf ist ihr bilingual-bikultureller (Bi-Bi) Ansatz. Hier ist Sprachfähigkeit nichts, das erst später hinzukommt oder nur ein nützliches Hilfsmittel ist, sondern die zentrale Grundlage des Lernens. Die American Sign Language (ASL) ist die Hauptsprache der Lehrkräfte und schafft vom ersten Moment an ein vollständiges Sprachenerlebnis.
Was wir betrachten werden
Dieser Artikel ist ein umfassender Leitfaden für Eltern und Lehrkräfte, der Ihnen einen tiefen Einblick in den besonderen Ansatz der Schule gibt. Wir schauen uns an:
- Die Grundideen hinter dem Bi-Bi-Ansatz der Schule.
- Wie diese ASL-zentrierte Bildung im Alltag funktioniert.
- Wie die Schulfächer organisiert sind und wie der Weg zu Englischlesen und -schreiben gestaltet wird.
- Alle unterstützenden Angebote, die allen Schüler*innen zur Verfügung stehen.
Die Sprachgemeinschaft von Lexington
Um die Lexington School for the Deaf zu verstehen, muss man wissen, dass sie mehr als nur eine Schule ist; sie ist eine Sprach- und Kulturgemeinschaft. Die Lehrmethode basiert auf langjährig weiterentwickelten Konzepten, die tiefen Respekt für gehörlose Kultur und die Kraft einer vollständig barrierefreien Sprache in den Mittelpunkt stellen.
Der Kern der Methode
Im Zentrum unserer Lehrphilosophie steht der bilingual-bikulturelle (Bi-Bi) Ansatz. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen zweier Sprachen, sondern um die gleichwertige Wertschätzung zweier Kulturen: der gehörlosen und der hörenden. Das Hauptziel ist es, dass die Schüler*innen vollständig zweisprachig werden und ASL sowie Englisch (vorwiegend in schriftlicher Form) sicher nutzen und verstehen können. Diese doppelte Kompetenz fördert kritisches Denken, vollständigen Selbstausdruck und selbstbewusstes Navigieren sowohl in gehörlosen als auch hörenden Welten mit einer starken eigenen Identität.
Warum ASL an erster Stelle steht
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem natürlichen Erlernen einer Sprache und dem Studieren einer Sprache. Für gehörlose Kinder ist ASL eine Sprache, die vollständig über das Sehen und auf natürliche Weise erlernt werden kann, wodurch von Anfang an 100 % Zugang zu Informationen, sozialer Interaktion und Gehirnentwicklung gewährleistet sind. In unseren Klassen gibt es keine Verzögerungen, keinen Bedeutungsverlust und keine Kommunikationsbarrieren zwischen Lehrkraft und Schüler*in oder zwischen den Schüler*innen. Unterricht in ASL bedeutet, dass das Kind nie auf Informationen warten muss. Das unterscheidet sich sehr von regulären Schulen, in denen Unterricht oft über einen Gebärdensprachdolmetscher vermittelt wird. Obwohl dies unterstützend gedacht ist, ist dolmetschervermittelter Unterricht naturgemäß eine indirekte Form, und die mentale Arbeit, übersetzte Inhalte zu verarbeiten, kann Verständnis- und soziale Verbindungslücken verursachen.
Eine positive gehörlose Identität stärken
Eine positive Identität bildet die Grundlage für das Selbstvertrauen und den zukünftigen Erfolg eines Kindes. An einem Ort, an dem Gehörlossein normal und nicht ungewöhnlich ist, entwickeln Schüler*innen sich gut. Sie sehen gehörlose Erwachsene in Führungspositionen – als Lehrkräfte, Verwaltungsmitglieder und Mentor*innen. Dieser tägliche Kontakt mit erfolgreichen gehörlosen Vorbildern wirkt sehr stärkend, zeigt den Schüler*innen, was möglich ist, und schenkt ihnen Stolz auf ihre Identität. Die Lexington School for the Deaf, gegründet 1864, ist seit über 160 Jahren ein Grundpfeiler der gehörlosen Gemeinschaft und schafft ein Erbe aus Expertise und Kulturerhalt. Diese Geschichte prägt unsere Gegenwart und schafft eine Gemeinschaft, in der Schüler*innen die sozialen und emotionalen Fähigkeiten entwickeln, die sie zum Erfolg brauchen.
Ein Tag im Leben
Um die Wirkung unserer Lehrmethode wirklich zu verstehen, sollte man sie in der Praxis sehen. Begleiten Sie uns durch einen typischen Tag an der Lexington School for the Deaf, bei dem wir unsere Philosophie in die tatsächlichen Erfahrungen der Schüler*innen umsetzen.
Morgens in der Grundschule
Betreten Sie einen Klassenraum der Unterstufe, hören Sie kein Geräusch, aber spüren Sie die Energie. Es ist ein visuelles Summen. Eine Lehrkraft sitzt vorne in einem Kreis mit jungen, neugierigen Gesichtern und gebärdet eine klassische Kindergeschichte. Ihre Hände bewegen sich, ihre Mimik zeigt die Spannung des Wolfs und die Freude des Helden, und ihre Körpersprache erweckt die Figuren zum Leben. Die Kinder haben große Augen, ihr Geist ist ganz konzentriert. Wenn sie eine Frage haben, heben sie nicht die Hand und warten, sondern gebärden zurück und beginnen eine direkte, aktive Unterhaltung. Hier sind erste mathematische Konzepte nicht nur Zahlen auf der Tafel, sondern Gegenstände, die gezählt, gruppiert und angefasst werden. Lesevorbereitung besteht nicht nur aus Buchstaben, sondern darin, gebärdete Ideen mit visuellen Symbolen und Geschichten zu verknüpfen und so eine reichhaltige Ideenbibliothek in ASL aufzubauen, die später mit schriftlichem Englisch verbunden wird.
Naturwissenschaftliches Labor der Oberstufe
Nun gehen wir in ein naturwissenschaftliches Labor der Oberstufe, wo Schüler*innen komplexe Themen erforschen. Ein Chemiekurs beschäftigt sich mit Molekularbindungen. Die Lehrkraft verwendet eine Kombination aus spezialisierten wissenschaftlichen Gebärden, 3D-Modellen und interaktiven Displays auf einem Smartboard. Das Konzept einer Elektronenschale ist kein abstrakter Begriff, sondern eine visuelle, bewegte Idee, die klar und präzise in ASL erklärt wird. Die Schüler*innen arbeiten in Gruppen an einem praktischen Experiment, ihre Gespräche verlaufen reibungslos und effizient. Sie diskutieren Theorien, halten Beobachtungen fest und ziehen Schlüsse, ohne Kommunikationsprobleme. Hier zeigt sich akademische Exzellenz. Fächer wie Physik, Biologie und fortgeschrittene Mathematik werden mit der gleichen Tiefe und Komplexität wie an leistungsstarken Schulen unterrichtet, allerdings mit einer Methode, die zu 100 % visuell zugänglich ist.
Soziale Entwicklung
Vielleicht sind die wichtigsten Momente außerhalb des formalen Unterrichts. In der Mittagspause lebt die Cafeteria von Gesprächen. Schüler*innen versammeln sich an Tischen, erzählen von ihrem Wochenende, diskutieren ein Sportspiel und machen Witze. Es gibt keine Kommunikationsbarrieren, niemand wird ausgeschlossen, weil er oder sie nicht folgen kann. Auf dem Pausenhof oder in den Nachmittagsclubs entstehen tiefe und nachhaltige Freundschaften auf der Basis gemeinsamer Sprache und Erfahrungen. Diese leicht zugängliche soziale Interaktion ist lebenswichtig. Hier entwickeln die Schüler*innen Selbstvertrauen, lernen, soziale Situationen zu meistern, und bilden ein starkes Zugehörigkeitsgefühl. Das soziale und emotionale Wachstum, das in diesen Momenten stattfindet, ist ein Hauptvorteil des Umfelds an der Lexington School for the Deaf.

Der zweisprachige Lehrplan
Eine häufige und wichtige Frage von Eltern betrifft die Fähigkeiten im Lesen und Schreiben auf Englisch. Wie schafft es eine ASL-zentrierte Schule, starke Englischleser*innen und -schreiber*innen hervorzubringen? Die Antwort liegt in einer sorgfältigen, forschungsbasierten Strategie, die die ASL-Kompetenz der Schüler*innen als Brücke zu hervorragenden Englischkenntnissen nutzt.
Die Brücke zu Englisch
Unser Ansatz basiert auf einem grundlegenden Sprachprinzip: Eine starke Basis in der Erstsprache (L1) beschleunigt deutlich das Erlernen einer Zweitsprache (L2). Für unsere Schüler*innen ist ASL die Erstsprache. Wir nutzen ihre starke Kompetenz in ASL, um Englisch direkt zu lehren, wobei der Schwerpunkt auf der geschriebenen Form liegt. Die Schüler*innen lernen, dass die Ideen, die sie bereits in ASL beherrschen, eine Entsprechung in geschriebener englischer Sprache haben. Diese „Brücken“-Methode ist viel effektiver als der Versuch, Sprache und Inhalt gleichzeitig in einer Sprache zu vermitteln, die nicht vollständig zugänglich ist.
Sprachförderungsziele
Wir haben getrennte, aber sich ergänzende Ziele für die Entwicklung von ASL und Englisch. Dieser duale Weg stellt sicher, dass die Schüler*innen wirklich zweisprachig werden und lesen sowie schreiben können – in beiden Sprachen –, und somit für alle künftigen Wege bestens vorbereitet sind.
| ASL-Entwicklung | Englisch-Lese- und Schreibentwicklung |
|---|---|
| Ziel: Volle, natürliche Sprachfähigkeit für Gehirnentwicklung, kritisches Denken und soziales-emotionales Wohlbefinden erreichen. | Ziel: Hohe Lesekompetenz und schriftlichen Ausdruck für akademischen und beruflichen Erfolg erreichen. |
| Methode: Volle Immersion in allen akademischen und sozialen Umgebungen, direkte Anleitung, reichhaltiges Geschichtenerzählen und ständiger Peer-zu-Peer-Austausch. | Methode: Direkte Anleitung mit bewährten Leseprogrammen, visueller Phonetik, gelenktem Lesen, Tagebuchschreiben und umfangreicher Nutzung von untertitelten Medien. |
| Ergebnis: Fähigkeit, komplexe, abstrakte Ideen zu denken, zu lernen und auszudrücken. Starkes Identitäts- und Gemeinschaftsgefühl. | Ergebnis: Lesekompetenz und Schreibfertigkeit auf Klassenstufenniveau oder höher. Volle Vorbereitung auf Hochschule und Beruf. |
Anpassung der Kernfächer
Unser gesamter Lehrplan folgt den staatlichen und nationalen Bildungsstandards, aber unsere Lehrmethoden sind so angepasst, dass sie für visuelle und praktische Lernende vollständig barrierefrei sind.
- Mathematik: Wir gehen über reines Auswendiglernen hinaus und setzen den Fokus auf ein tiefes Verständnis der Konzepte. Lehrkräfte nutzen tastbare Gegenstände, visuelle Problemlösestrategien und klare, gebärdete Erklärungen, um komplexe mathematische Ideen verständlich zu machen.
- Sozialwissenschaften & Geschichte: Geschichte wird durch visuelles Erzählen lebendig. Wir nutzen Gebärdensprache in Vorlesungen, originale historische Dokumente, detaillierte Zeitachsen, Karten und eine umfangreiche Bibliothek mit untertitelten und in Gebärdensprache gefilmten Videos.
- Naturwissenschaften: Der Schwerpunkt liegt auf praktischem Forschen. Die Schüler führen Laborversuche durch, bauen Modelle und verwenden visuelle Simulationen, um naturwissenschaftliche Prinzipien zu verstehen und Freude am Entdecken zu entwickeln.
Spezialprogramme
Eine umfassende Bildung geht über die Kernfächer hinaus. Die Lexington School ist stolz auf ihre Spezialprogramme, die den Schüler:innen ermöglichen, ihre Interessen zu erkunden. Unser bekanntes Theaterprogramm führt komplette Inszenierungen in ASL auf und feiert diese einzigartige und kraftvolle Kunstform. Unser Sportprogramm bietet Wettkampfmannschaften, die Teamarbeit und Fairness fördern. Und unsere Klassen für Technologie und digitale Medien vermitteln den Schüler:innen die Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts, die sie für den Erfolg brauchen.
Umfassende Unterstützung für Schüler:innen
Wir wissen, dass der Weg eines jeden Kindes einzigartig ist. Die Lexington School for the Deaf bietet ein vollständiges Spektrum an Programmen und Dienstleistungen, um die verschiedenen Bedürfnisse unserer Schüler:innen und ihrer Familien von der frühen Kindheit bis zum Schulabschluss zu erfüllen.
Ready to Learn Programm
Unser Engagement beginnt früh. Das Ready to Learn Eltern-Kleinkind-Programm bietet wichtige frühe Hilfen für Familien mit gehörlosen oder schwerhörigen Säuglingen und Kleinkindern. Wir arbeiten mit Eltern zusammen, um ihnen die Werkzeuge und Ressourcen an die Hand zu geben, die sie brauchen, um die frühe Sprachentwicklung (in ASL und/oder gesprochener Sprache, je nach Familienwahl) zu unterstützen und eine starke Basis für die Zukunft ihres Kindes zu schaffen.
Zentrum für gehörlose mehrfachbehinderte Kinder
Wir engagieren uns dafür, jedes Kind zu unterstützen. Das Zentrum für gehörlose mehrfachbehinderte Kinder ist ein spezielles Programm für gehörlose und schwerhörige Schüler:innen mit zusätzlichen Behinderungen. Mit mehr Betreuungspersonal pro Schüler:in und einem Team hochqualifizierter Spezialist:innen bieten wir eine individuelle Förderung, die alle Bedürfnisse des Kindes in einer unterstützenden, barrierefreien Umgebung berücksichtigt.
Integrierte Unterstützungsdienste
Ein Team engagierter Fachkräfte arbeitet gemeinsam mit Lehrkräften und Familien, um sicherzustellen, dass jede:r Schüler:in die notwendige Unterstützung für den Erfolg erhält. Dieses integrierte Team umfasst:
- Audiolog:innen, die Hörtechnologie verwalten und Hörhilfen bereitstellen.
- Sprachtherapeut:innen, die mit den Schüler:innen an gesprochenem Englisch, Hörfähigkeiten oder Sprachentwicklung arbeiten, basierend auf den im individuellen Förderplan (IEP) festgelegten Zielen.
- Sozialarbeiter:innen und Berater:innen, die emotionale Unterstützung, Soziale Kompetenzförderung und psychische Gesundheitsdienste bieten.
- Mitarbeitende für Elternbeteiligung, die Eltern als aktive Partner:innen in der Bildung ihres Kindes begleiten.
Eine Bildung für den Erfolg
Die Wahl eines Bildungswegs umfasst mehr als Schulfächer; es geht darum, eine Gemeinschaft zu wählen, in der Ihr Kind gesehen, verstanden und wertgeschätzt wird. Das bilingual-bikulturelle Modell an der Lexington School for the Deaf ist nicht nur eine Lehrmethode; es ist ein Bekenntnis dazu, das ganze Kind wachsen zu lassen. Es ist eine Investition in seine Gehirnentwicklung, sein sozial-emotionales Wohlbefinden und seine Zukunft. Indem wir eine Umgebung bieten, die reich an Sprache, Kultur und Identität ist, unterstützen wir unsere Schüler:innen nicht nur beim Lernen, sondern auch beim Erfolg.